Illgen-Interview

Geschrieben von Illgen-Redaktion am .

Interview Geschwister Illgen

Gemeinsam führen die Geschwister Peggy und René Illgen die Traditions-Bäckerei Illgen in 4. Generation.

Was hebt Sie von anderen Bäckern ab?

Peggy und René Illgen:Die Bäckerei Illgen ist ein familiengeführtes Traditionsunternehmen in 4. Generation. Wir als Firmeninhaber sind täglich mit unserer eigenen Arbeit an der Basis - egal ob mit Kunden oder Mitarbeitern. Wir verfügen über ein überdurchschnittlich großes Produktsortiment im Bereich Blechkuchen. Wir backen täglich über 25 verschiedene Sorten.
 
Sie kümmern sich um den Nachwuchs, stellen jedes Jahr neue Azubis ein - was ist Ihnen wichtig? Was sollten die jungen Leute mitbringen?
 
Peggy Illgen: In beiden Tätigkeitsfeldern als Verkäufer/in oder Bäcker/in spielt die Kreativität und die Freude am Bäcker-Handwerk eine große Rolle. Es wird mit Lebensmitteln gearbeitet und an jedem Tag geht es darum etwas „mit den eigenen Händen“ zu schaffen bzw. herzustellen. Das Resultat folgt also ganz unmittelbar. Richtig in diesem Job ist der, der aktiv und teamfähig ist und auch Wert auf Sauberkeit und Hygiene legt. Außerdem gehört auch das Verständnis für chemische Prozesse und das Kopfrechnen dazu. Für die Verkäuferin gehört der Kontakt zum Kunden zu den wichtigsten Aufgaben, damit verbunden die freundliche Beratung und auch das Anrichten und Präsentieren der Produkte und Illgen-Erzeugnisse. Spaß an der Kommunikation, eine gute Ausdrucksweise und Kopfrechenkenntnisse sind das Handwerkszeug einer Illgen-Verkäuferin. Ein gepflegtes Erscheinungsbild ist selbstverständlich. Vorzulegen ist außerdem immer im Bereich der Arbeit mit Lebensmitteln ein ärztliches Gesundheitszeugnis. Wer später den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchte, muss seine Meisterprüfung ablegen.
 
Illgen ist ein Familienunternehmen mit Tradition - wie weit reicht die Tradition zurück?
 
René Illgen: Im Jahr 1926 wurde die Bäckerei Illgen von Otto Illgen, dem Urgroßvater gegründet. Großvater Johannes Illgen führte die Geschäfte weiter. Bäckermeister Horst Illgen setzte die Tradition fort und übergab vor einigen Jahren die Bäckerei in unsere Hände. Während sich Peggy Illgen um den kaufmännischen Bereich kümmert und maßgeblich die Erweiterung der Illgen-Filialen voran gebracht hat, backe ich nun in über 80-jähriger Tradition die leckeren Illgen-Produkte.
 
War es für Sie immer klar, in die Rolle des Junior-Chefs zu schlüpfen?

René Illgen: Seit meiner Kindheit ist mein Leben in der Bäckerei geprägt: Schon als Kind war ich in der Backstube zu Hause. Meine Ausbildung habe ich in einem Bäckerbetrieb in Westdeutschland absolviert, um auch einmal „andere Luft zu schnuppern“. Danach bin ich wieder in elterlichen Betrieb gewechselt.
Peggy Illgen: Nach dem Abitur absolvierte ich eine Ausbildung in der Wohnungswirtschaft und ein nebenberufliches Studium BWL. Ich arbeitete 10 Jahre im Bereich der Wohnungswirtschaft, bin seit 2008 im Unternehmen tätig und kümmere mich um die kaufmännischen Prozesse in der Bäckerei und das Marketing.
 
Was macht für Sie diesen Beruf so besonders?
 
René Illgen: Der Bäckerberuf bietet viel Interessantes und gute Perspektiven, ist kreativ und führt zu sichtbaren Ergebnissen. Das Handwerk des Bäckers ist zukunftssicher, weil es einfach zu den Grundbedürfnis des Menschen: Essen und Trinken dazu gehört. Man versorgt die Menschen mit Backwaren. Wer sein Handwerk beherrscht, findet überall auf der Welt eine Anstellung. Die moderne Technik hat die früher schwere körperliche Arbeit abgelöst bzw. vereinfacht. Umfangreiche Fortbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten (Bäckermeister, Lebensmitteltechniker, Hotelbäcker, Lebensmittelüberwachung etc.) machen den Beruf und seine Perspektiven spannend.
 
Von Natur aus gut - was bedeutet das für die Bäckerei Illgen? Warum besinnen Sie sich auf natürliche Produkte und Zutaten?
 
Peggy Illgen: Als kleines mittelständisches Unternehmen der Backbranche sind wir der Region sehr verbunden. Aus diesem Grund ist uns die Verwendung regionaler Zutaten wichtig, um uns vom Industriebäcker und Discounter abzuheben, bei denen letztlich nur der Preis im Vordergrund steht. Außerdem unterstützen wir damit– durch gemeinsame Geschäftsbeziehungen auch die regionale Wirtschaft. Unsere Kundschaft würdigt dieses Engagement.
 
Sie arbeiten mit Partnern aus der Region - warum?
 
René Illgen: Die regionale Verbundenheit prägt die Historie der Bäckerei Illgen. Wir und auch unsere Kundschaft profitieren hierbei von der guten Erreichbarkeit und von kurzen Transportwegen und damit immer von der Frische der Rohstoffe. Viele unserer Partner in der Region sind auch unsere Kunden. Damit entstand ein Netzwerk mit Synergieeffekten für alle Seiten.
 
Sie engagieren sich ja sehr vielseitig...
 
René Illgen: Das Unternehmen ist über Generationen gewachsen und die Bevölkerung kennt den Namen Bäckerei Illgen. Die Menschen in den Vereinen engagieren sich auch für die Region und werden durch uns bei Veranstaltungen und Festen und mit verschiedensten Aktionen unterstützt. Wir engagieren uns z.B. für die Kitas, unterstützen Schulen mit Spenden und zeigen in vielen Aktionen, wie dem Kinderbacken, wie die Arbeit in einer Bäckerei aussieht. Die Kinder sind unsere Kunden der Zukunft. Außerdem gelingt es uns, uns als Unternehmen präsentieren, um auch die Ausbildung attraktiver für junge Leute zu machen.
 
Welche Rolle spielt bei Ihnen die Kreativität?
 
Peggy Illgen: Die Kreativität ist unabdingbar: sie bedeutet Innovationen für neue Produkte und hilft uns Kundenwünsche umsetzen. Individualität steht ganz oben, um sich vom Wettbewerber abzuheben.
 
Was glauben Sie, warum haben es die Handwerksberufe so schwer - wenn man an den Nachwuchs denkt...
 
Peggy Illgen: Es sind die relativ „unbequemen“ Arbeitszeiten, insbesondere nachts, teilweise auch am Wochenende und an Feiertagen. Dann sind viele Bäcker gezwungen, auch durch den Preiskampf mit den Discountern, einen harten Preiskampf auszufechten, was sich dann auch oft in einer geringen Entlohnung der Mitarbeiter widerspiegeln kann. All das erfordert eine hohe Motivation der Mitarbeiter und Azubis.
 
Wie sieht der Arbeitsalltag eines Bäckers in ihrer Bäckerei aus?
 
René Illgen: Für unsere Bäcker startet der Arbeitstag nachts 23.00 Uhr. Wer sich für den Bäckerberuf entscheidet, sollte nicht zu den Langschläfern gehören. Zu den ersten Arbeiten in der Nacht gehört die Zubereitung der Teige für die Brötchen, Brote und Kuchen nach genauen Rezepturen. Um den gesamten Bedarf an Backwaren am Morgen decken zu können, werden die Öfen nachts mehrfach bestückt, dabei ist es wichtig die Entstehung und Gärung der Teige zu überwachen. Unter Einhaltung genauer Backzeiten werden Gebäck, Brote und Brötchen gebacken. Das Gestalten, Garnieren und Verzieren diverser Backwaren gehört ebenso zu den täglichen Aufgaben. Schließlich gilt es diverse Produkte für Folgetag vorzubereiten. Jeder Bäcker reinigt dann seinen Arbeitsplatzes und die Arbeitsgeräte und Maschinen. In der Regel endet der Arbeitstag eines Bäckers mit dem Frühstück morgens: gegen 8.00/9.00 Uhr
 
Wie sieht der Arbeitsalltag eines Konditors in ihrer Bäckerei aus?
 
René Illgen: Die Arbeit unserer Konditorinnen beginnt morgens zwischen 4.00 Uhr und 5.00 Uhr. Dabei können sie ihrer Phantasie freien Lauf lassen, wenn sie die vielen Techniken und Rezepte zur Herstellung ihrer Köstlichkeiten beherrschen. Im Mittelpunkt stehen Kreativität, handwerkliches Geschick sowie Fingerspitzengefühl. Ein gutes Empfinden für Farben und Formen, Sauberkeit und Hygiene sind selbstverständlich. Im Arbeitsalltag ist Teamgeist und selbstständiges Arbeiten erforderlich. Die Herstellung von Teigen und Massen, Cremes, Füllungen, Dekorationselementen gehören zu den täglichen Aufgaben der Konditoren, genauso wie das Herstellung von Obst-, Sahne- und Cremetorten in den verschiedensten Geschmacksrichtungen. Viele unserer Kunden lieben die kleinen Sahneteilchen, Petit Fours und Gebäck etc.- alles das Erarbeiten unsere Konditoren. Fantasievolle Spezialtorten, mehrstöckigen Hochzeitstorten, farbenreiche Eventtorten zum Schulanfang oder zum Kindergeburtstag werden in Abstimmung mit dem Kunden kreiert. Süße Träume werden durch unsere Konditoren wahr. Aber nach getaner Arbeit gilt auch hier: die Reinigung der Arbeitsmaterialien und Arbeitsbereiche.
 
Wie sieht der Arbeitsalltag einer Verkäuferin in ihrer Bäckerei aus?
 
Peggy Illgen: Die Verkäuferin ist das freundliche Gesicht der Bäckerei und die Schnittstelle zum Kunden. Der Tag beginnt mit der Entgegennahme der Waren vom Auslieferungsfahrer. Der Ladenbackofen läuft bereits und ofenfrische Brötchen, Croissants und Laugengebäck werden gebacken - nun geht es ans Anrichten und Präsentation der Waren in der Verkaufstheke und den Brotregalen. Zu den Aufgaben der Verkäuferin gehört ebenso das Zubereiten von Snacks, belegten Brötchen, etc. Auch die Planung ist wichtig für Konstanz und die Verlässlichkeit in den Bäckereigeschäften. Die Verkäuferin übernimmt die Abstimmung und die Kommunikation zu Bestellmengen und Kundenbestellungen. Sie koordiniert Verkaufsvorgänge, kümmert sich um die Kundenberatung und ganz allgemein um eine freundliche Kommunikation mit dem Kunden. Je nach Saison oder Jahreszeit oder zu bestimmten Aktionen wird das Ladenlokal durch die Verkäuferinnen vor Ort ausgestaltet und sauber gehalten.
 
Welche Produkte schmecken Ihnen selbst besonders gut?
 
René Illgen: Unser Mischbrot - mit Natursauerteig hergestellt, traditioneller Rezeptur - ist nicht nur mein Lieblingsbrot, sondern auch eines unserer wichtigsten und meistgekauften Produkte. Peggy Illgen: Die Dresdner Eierschecke sowie die Freiberger Eierschecke, nach eigenen Rezepturen und mit typisch regionalem Geschmack sind meine absoluten Favoriten.
 
Was gehört zum Frühstück unbedingt für den Chef dazu? Was frühstücken Sie beide?
 
René Illgen: Frischgebackene Brötchen bestrichen mit Butter und Honig oder Marmelade vom regionalen Imker - das ist mein Bäckerfrühstück!

Gibt es eine besondere Leckerei für Kinder bei Illgens?
 
Peggy Illgen: Donuts mit Figur, Quarkbällchen, Muffins
 
Was mögen die Kleinsten der Illgens aus der Bäckerei am liebsten?

Peggy Illgen: meine Tochter Mariella (5 Jahre) mag am liebsten die farbenreichen Petit Fours aus der Bäckerei Illgen.
René Illgen: Mein kleiner Sohn Max (8 Monate) wird sicher noch seine Leckerei finden, zur Zeit ist er allerdings noch ohne Zähne. Aber er kaut gern auf den Illgen-Milchbrötchen herum. (lacht)

Interview: Chr. Rommel/M. Briczin

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